Die Flow-Theorie

Intrinsische Motivation, die uns motiviert eine bestimmte Tätigkeit zu vollführen, wurde in den 70er Jahren systematisch von Csikszentmihalyi (2010) erforscht. Er erarbeitete das Konzept des so genannten ‚Flow‘, welcher das freudige Aufgehen in einer Tätigkeit beschreibt (Csikszentmihalyi, 2010, S.11). Nach Rudolph (2009, S.25) ist ein Flow ‚gekennzeichnet durch ein vollständiges Aufgehen in der Handlung, eine Einigkeit von Handlung und Bewusstsein, […] der Abwesenheit von Selbstaufmerksamkeit sowie durch subjektive hohe Kontrolle über eigene Handlungen und die Umgebung‘. Ein Flow wird uns daher bewusst, wenn wir uns freudig und vollständig bei einer Tätigkeit engagieren.

Nach Csikszentmihalyi (2010) entsteht ein Flow bei komplexen, schweren Tätigkeiten, die wir trotz der hohen Anforderung gut unter Kontrolle haben. Bekannte Tätigkeiten mit    Flow sind ‚Bergsteigen, Tanzen, Segeln, Schachspielen usw.‘ (Csikszentmihalyi, 2010, S.104). Als wesentlich dafür, dass eine Handlung zu einer Flow-Aktivität werden kann, identifiziert Csikszentmihalyi (2010, S.104) folgende Punkte: Die Aktivitäten ‚richten sich nach Regeln, die man lernen muß, sie bieten Ziele, geben Rückmeldung und ermöglichen Kontrolle‘. Dies trifft auf die meisten Freizeitbeschäftigungen, Sport, Kunst und Spiele zu (Csikszentmihalyi, 2010, S.20). Doch nach Csikszentmihalyi (2010, Kapitel 7) lassen sich auch Arbeit und andere Aktivitäten in Flow-Aktivitäten verwandeln und für die Nutzer somit attraktiver gestalten.

Das Flow-Erlebnis nach Csikszentmihalyi (2010, S.107) anhand von Fähigkeiten und Herausforderungen.

Das Flow-Erlebnis nach Csikszentmihalyi (2010, S.107) anhand von Fähigkeiten und Herausforderungen.

Mit Hilfeder Abbildung kann, aufbauend auf (Csikszentmihalyi, 2010, S.107), beschrieben werde, wie es zu einem Flow-Erlebnis kommen kann. Nach Csikszentmihalyi (2010) entsteht ein Flow in einem Bereich zwischen Überforderung und Unterforderung. Eine Tätigkeit bzw. Herausforderung erfordert zur Meisterung ein bestimmtes Level an Fähigkeiten. Nach Csikszentmihalyi (2010) motivieren uns vor allem schwierige Aufgaben, die gerade noch mit den eigenen Fähigkeiten realisierbar sind. In diesem Fall möchten wir unsere Fähigkeiten testen und fühlen uns herausgefordert. Dabei schätzen wir unsere Fähigkeiten ein und überlegen, ob wir die Herausforderung meistern können. Der Flow ergibt sich in einem Bereich aus der Kombination von Herausforderung und Fähigkeit, in dem wir die optimale Herausforderung in einer Tätigkeit sehen. Übersteigen die Fähigkeiten die Herausforderung tritt Langeweile ein, ist die Herausforderung größer als die Fähigkeiten, so ist der Mensch überfordert. Durch Anpassen der Herausforderung kann ein Mensch auch bei steigenden Fähigkeiten im Flow bleiben (Csikszentmihalyi, 2010, S.105ff).

Die Verbesserung der eigenen Fähigkeiten ist der Kern des Flow-Erlebnisses. Durch Meistern einer schwierigen Aufgabe steigen unsere Fähigkeiten. Um weiterhin im Flow zu bleiben muss die Herausforderung zunehmen, d.h. die Ziele sollten kontinuierlich schwieriger werden, aber machbar bleiben. Dieses Prinzip begegnet uns in vielen Bereichen. Sei es erfülltes Arbeiten, Sportaktivitäten oder bei der Schaffung von Kunstwerken. Besonders wird uns dieses Prinzip jedoch bei Videospielen bewusst. Von Level zu Level wird es schwieriger. Ab und zu scheitern wir, jedoch ist uns bewusst, das jedes Level machbar ist. Ist die Herausforderung zu hoch oder zu niedrig, verlieren wir das Interesse. Ist die Herausforderung jedoch gerade noch lösbar, erleben wir einen Flow und haben lange Interesse und Lust an einer Tätigkeit (Csikszentmihalyi, 2010).

Das Flow-Prinzip erklärt uns, warum manche Tätigkeiten uns langfristig intrinsisch motivieren.

  1. Verwendet in: Game-Design Grundsätze | Gamifinator

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